Miteinander älter werden

Jul 29th, 2010 | By | Category: Allgemein, Miteinander

verlangt einem Einiges ab. Es braucht Respekt davor, dass der Partner, die Partnerin Falten und graue Haare bekommt, nicht mehr so elastisch und straff ist, sich auch körperlich wandelt. Man braucht die Fähigkeit, liebevoll mit sich und dem anderen umzugehen, wenn es zwickt und zwackt, schlimmer: wenn echtes Leiden einen brutal am Wickel hat und gemeinsame Träume sich im Kampf ums Überleben verlieren.

Und es braucht Freiheit – damit der eine auch ohne den anderen etwas unternimmt und die zwei sich nicht immer mehr ­abwechselnd “betreuen”. Es braucht Geduld, weil man selbst und der Partner erst allmählich erleben, erfahren muss, dass alles im Leben seine Zeit und damit, wie die Jugend auch, ein Ende hat. Das ist gar nicht so leicht zu begreifen, schwer, sich selber und dem anderen zuzugestehen.

Aber solche Mühe lohnt sich! Denn was ist schöner als zärtliche Vertrautheit, bei der nichts schamhaft verborgen werden muss? Eine Vertrautheit, die Wunden und Narben, Glatzen, kleine Bäuche oder schwaches Bindegewebe mit einschließt – weil man erkennt, dass das alles zu dem wunderbarsten Menschen gehört, dem man je begegnet ist.

Was meinen Sie dazu?

3 comments
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  1. tja, wohl wahr! Dem hier gesagten, resp geschriebenen kann ich mich nur anschliessen.

    Zwischenzeitlich beglückwünsche ich immer mehr ältere Paare, wenn es ihnen tatsächlich gelungen ist, zwanzig, dreissig, ja teilweise vierzig Jahre beisammen gewesen zu sein.

    Jeder, der selber in einer Beziehung lebt, weiss, was da geleistet worden ist!

    Selber ein Oldie :-)

  2. Ein schöner Blick auf die Zweisamkeit – allein, sie braucht zwei, die es gemeinsam wollen und können. Schön, wenn es gelingt, aber allzu oft gelingt es nicht, und dann? So manche der beschriebenen Elemente finden sich auch auf einem anderen Weg: Freiheit sowieso, aber auch Vertrautheit.

    Was für eine wunderbare Erfahrung, nach langer Paarbeziehung eine neue Vertrautheit zu gewinnen! Das, was schon fast vergessen schien: die Fähigkeit aufeinander zuzugehen, einander zuzuhören, sich einem neuen Partner zu öffnen.

    Das Altern gibt auch hier die Chance, zu den Schwächen zu stehen. Nicht mehr den Superstar der unerschöpflichen Leistungskraft vorspielen zu müssen, sondern die Reifheit beweisen zu dürfen, Grenzen zu erkennen und zu respektieren an sich selbst und am Gegenüber.

    Der Autor und Philosophie-Professor Pascal Mercier hat einmal einen Dreiklang zwischenmenschlicher Beziehung formuliert: „Begierde, Wohlgefallen, Geborgenheit“ (in seinem wunderbaren Buch über „Nachtzug nach Lissabon“, das viel lehrt über Möglichkeiten und Grenzen des Ausbrechens aus einer gewohnten Welt). „Am flüchtigsten sei die Begierde, dann komme das Wohlgefallen, und leider sei es so, dass die Geborgenheit, das Gefühl, in jemandem aufgehoben zu sein, irgendwann auch zerbreche“, lässt Mercier einen seiner Protagonisten sagen.

    Was nicht ausschließen muss, dass neue Begierde erwachsen kannt, vielleicht sogar Geborgenheit. Ein anderes Zitat, aus einer ganz anderen Ecke: „I’m not getting older, I’m getting more complex“ – das hatte ein kalifornisches Weingut (Madrona Wineyards) als Slogan formuliert für seine Weine, aber es gilt auch für Menschen, hoffentlich. Und wenn wir denn vielseitiger werden, könnte es nicht auch Zeit sein für vielseitigere Begegnungen – aus der Freiheit der Zweisamkeit heraus oder aus der ungebundenen Freiheit?

    Ist das nicht die wahre Herausforderung des Alterns? Sich nicht zu verlassen auf die Existenz von Zweisamkeit, sondern ein Geflecht aufzubauen an Vertrautheit, vielleicht sogar: Geborgenheit. Wider die Vereinzelung.

  3. Hmmm….

    Kürzlich las ich in der Süddeutschen, dass das fünfte Jahr das verflixte ist – und nicht mehr das siebente. Und, was ich noch interessanter fand: es sind inzwischen die Frauen, die die Scheidung einreichen, und zwar die, die ihre Silberhochzeit längst hinter sich haben. Sind sind selbständiger und mutiger als früher geworden. Noch vor 15 Jahren war es für Frauen über 50 viel schwieriger alleine dazustehen, als es heute ist.

    Scheint bei Dir, Guento, wohl auch der Fall zu sein? Was? Aber Du hast ja offenbar eine gute Lösung gefunden. Dazu passt die nächste Aussage eines Familienrechtlers Hobbel: Bei jeder vierten Trauung ist ein Partner dabei, der vorher schon einma verheiratet war. “Serielle Monogamie” nennen die Soziologen diesen Trend. Womit man sich alles beschäftigen kann. :-)

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